Der Jetstream ist ein schmales Band sehr starker Winde, das von West nach Ost in den oberen Schichten der Troposphäre strömt, typischerweise in 9 bis 12 Kilometern Höhe. Er ist kein einzelner, fester Strang, sondern besser als ein breiter Korridor schnell bewegter Luft vorstellbar, mit den stärksten Winden im Kern, die zu den Rändern hin abnehmen. An manchen Stellen kann er hunderte Kilometer breit und mehrere Kilometer dick sein.
Seine Entstehung beruht auf Temperaturunterschieden. Die Erde erhält am Äquator mehr Sonnenenergie als an den Polen, und die Atmosphäre arbeitet ständig daran, diese Energie zu verteilen. Treffen kalte Polarluftmassen auf wärmere Luft aus niedrigeren Breiten, entstehen starke Temperaturgradienten. Diese Unterschiede sind im Winter besonders ausgeprägt, wenn die Polarregionen stark abkühlen, während die Tropen warm bleiben. In Kombination mit der Erdrotation und dem Coriolis-Effekt führen diese Temperaturunterschiede zu kräftigen Westwinden – dem Jetstream.
In der nördlichen Hemisphäre dominieren zwei Hauptjetstreams. Der polare Jetstream, meist zwischen 50 und 60 Grad nördlicher Breite, beeinflusst das Winterwetter in Nordamerika, Europa und großen Teilen Asiens am stärksten. Weiter südlich verläuft der subtropische Jetstream, etwa bei 30 Grad nördlicher Breite, der vor allem das Wetter näher an den Tropen steuert. Ähnliche Jetstreams existieren auch in der südlichen Hemisphäre, wo sie durch fehlende große Landmassen oft symmetrischer und stabiler verlaufen.
Starke Krümmungen im Jetstream lenken kalte und warme Luftmassen über Kontinente und führen häufig zu länger anhaltendem und extremem Wetter.
Der Jetstream wirkt wie eine Steuerströmung für Wettersysteme. Tiefdruckgebiete, die Wind, Regen und Schnee bringen, bilden sich entlang des Jetstreams und bewegen sich dann in dessen Richtung. Verläuft der Jetstream stark und relativ gerade – ein Muster, das Meteorologen als zonalen Fluss bezeichnen – ziehen Wettersysteme schnell von West nach Ost. In diesem Fall sind Stürme meist kurzlebig, Temperaturschwankungen bleiben gering.
Manchmal jedoch verformt sich der Jetstream stärker und bildet große Nord-Süd-Wellen, was als meridionaler Fluss bezeichnet wird. Dann wird das Wetter oft extremer und länger anhaltend. Tiefe Wellentäler können arktische Kaltluft weit nach Süden transportieren und so Frost oder Schneefall auslösen, während ausgeprägte Wellenrücken warme Luft weit nach Norden bringen und ungewöhnlich milde Bedingungen verursachen können. Diese Wellen verlangsamen außerdem die Bewegung von Wettersystemen, wodurch das Risiko für langanhaltenden Regen, starke Schneefälle, Kälteperioden oder im Sommer für Hitzewellen steigt.
Winterstürme reagieren besonders empfindlich auf die Position und Form des Jetstreams. Starke Temperaturunterschiede erhöhen seine Geschwindigkeit. Treffen die schnellen Höhenwinde günstig auf ein sich entwickelndes Tiefdruckgebiet, kann dies dessen Intensität steigern, indem Luft aus der oberen Atmosphäre abtransportiert wird, wodurch der Druck am Boden noch weiter sinkt. Kleine Veränderungen in der Position des Jetstreams können somit den Unterschied zwischen einem schweren Schneesturm und einem trüben, trockenen Tag ausmachen.
In den letzten Jahren rücken Veränderungen im Verhalten des Jetstreams zunehmend in den Fokus der Forschung. Da die Arktis schneller erwärmt als der Rest des Planeten – ein Phänomen, das als arktische Verstärkung bekannt ist – verringert sich der Temperaturunterschied zwischen hohen und mittleren Breiten. Studien deuten darauf hin, dass der Jetstream dadurch abgeschwächt werden könnte und anfälliger für große, langsam ziehende Wellen wird. Wenn sich diese Muster stabilisieren, können Regionen langanhaltendes und extremes Wetter erleben – von langen Kälteperioden und Winterstürmen bis hin zu Überschwemmungen oder Dürren.
Die Erwärmung der Arktis kann das Verhalten des Jetstreams verändern und extremere Wetterlagen begünstigen.
Das Wetter an der Oberfläche wird also maßgeblich durch Vorgänge in großer Höhe bestimmt. Die Beobachtung des Jetstreams ist daher essenziell für moderne Wettervorhersagen. Ob der Winter stürmische Atlantiksysteme, frostige Nächte oder plötzliche Kälteeinbrüche bringt, hängt oft davon ab, wie sich dieser Hochlagen-Luftstrom rund um den Globus windet und verformt. meteoblue bietet Vorhersagen der oberen Atmosphärenschichten, sodass Sie die Bewegungen und Veränderungen globaler Jetstreams verfolgen und deren Einfluss auf Ihre Region besser nachvollziehen können.